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Pressemeldungen - Westfalen-Blatt - Rekommunalisierung Strom/Gas PDF Drucken E-Mail
»Netzrendite bleibt stabil«
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Samstag, 20. April 2013
Experte stellt Szenarien für Übernahme des Eon-Netzes vor

Von Malte Samtenschnieder
Bad Oeynhausen (WB). Rekommunalisierung, Regionalwerk oder Beteiligung an einer interkommunalen Netzbetriebsgesellschaft? Die Ankündigung des Eon-Konzerns seine Beteiligung an der Eon Westfalen-Weser AG zu verkaufen, eröffnet der Stadt Bad Oeynhausen verschiedene Möglichkeiten, sich im Energiesektor zu engagieren. Einzelne Optionen hat Dr. Peter Gussone im Stadtrat vorgestellt.

Grundlage für die Präsentation des Energieexperten der Sozietät Becker Büttner Held war ein Ratsbeschluss vom 27. Februar. Darin heißt es: »Dem Rat ist zum geeigneten Zeitpunkt eine Entscheidungsgrundlage unter Darstellung der verschiedenen Handlungsalternativen, ihrer Stärken und Schwächen und der Berücksichtigung der zukünftigen Ziele der Stadt Bad Oeynhausen aufzuzeigen.«

Dieser Aufforderung kam Dr. Peter Gussone nach. Demnach befindet sich Bad Oeynhausen in einer besonderen Situation. »Der Konzessionsvertrag Strom läuft am 30. November 2013 aus, das Gleiche gilt für den Konzessionsvertrag Gas am 14. September 2014«, sagte der Experte. Die Stadt habe sich jedoch frühzeitig Gedanken über den zukünftigen Betrieb der Energieversorgungsnetze gemacht. »Bereits seit Mitte 2011 gibt es Überlegungen zu interkommunalen Kooperationen etwa in Form eines Regionalwerkes mit den Städten Löhne und Vlotho«, sagte Dr. Peter Gussone.

Durch den Verkauf der Eon-Anteile an der Eon Westfalen-Weser AG ergäben sich für Bad Oeynhausen weitere Handlungsoptionen. »Bislang sind die Stadtwerke mit 1,24 Prozent an dem Vollversorger Eon Westfalen-Weser beteiligt. An dem künftigen Netzbetreiber Westfalen-Weser Energie wären sie auf dieser Basis mit 1,56 Prozent beteiligt«, erläuterte der Experte. Aufgrund eines komplizierten Berechnungsschlüssels, der alle bislang beteiligten Kommunen und weitere Interessenten berücksichtigt, liege der Stadt ein Angebot vor, ihren Anteil auf 3,44 Prozent an dem neuen Netzbetreiber zu erhöhen. »Für die zusätzlichen 1,88 Prozent wären etwa 12,7 Millionen Euro aufzubringen.«

Dr. Peter Gussone betonte, dass es sich bei einer möglichen Beteiligung der Stadt am Netzbetreiber Westfalen-Weser Energie nur um eine von insgesamt drei Möglichkeiten handele. »Denkbar ist auch eine Kommunalisierung – mit oder ohne einen strategischen Partner«, betonte der Experte. Die Stromnetzübernahme – in Fall Bad Oeynhausen durch die Stadtwerke – sei aber möglicherweise mit Komplikationen verbunden. Außerdem müsste ein komplett neues Geschäftsfeld aufgebaut werden, da sich die Stadtwerke Bad Oeynhausen bislang nicht im Netzbetrieb engagieren.

Als weitere Variante wies Dr. Peter Gussone auf die mögliche Gründung eines Regionalwerkes hin. Pläne für ein gemeinsames Unternehmen mit Löhne und Vlotho habe es ja bereits gegeben. Auch bei einem Regionalwerk würde das Stromnetz übernommen. Es trüge aber nicht eine, sondern mehrere Kommunen das Risiko.

Eine Empfehlung, für welche der drei Varianten sich der Rat der Stadt Bad Oeynhausen entscheiden soll, sprach der Experte nicht aus. Er wies darauf hin, dass sowohl bei einer Rekommunalisierung als auch bei einem Regionalwerk mit einer durchschnittlichen Netzrendite von 6,5 Prozent zu rechnen sei. Bei einer Beteiligung an der Westfalen-Weser Energie wäre die Rendite voraussichtlich etwas geringer.

Der Experte erläuterte, dass der Zeitpunkt für ein Investment in das Stromnetz gut sei. An den Kapitalmärkten sei derzeit günstig Geld zu beschaffen. Die prognostizierte Netzrendite sei nicht enorm hoch. »Aber sie ist stabil, weil das Netz immer gebraucht wird«, sagte Dr. Peter Gussone.

© 2013 WESTFALEN-BLATT - Bad Oeynhausener Anzeiger und Tageblatt vom 20.04.2013